Zum Inhalt springen
AI Workshop

Physical AI und humanoide Roboter 2026: Auslieferungen, Marktführer und was OpenAI, Google, Anthropic und Mistral bauen

Nach zwei Jahren Demovideos werden humanoide Roboter jetzt in nennenswerten Stückzahlen ausgeliefert. Im ersten Halbjahr 2026 wurden zwischen 19.000 und 25.000 Humanoide ausgeliefert, drei- bis fünfmal so viele wie ein Jahr zuvor, und mehr als 97 % stammten von chinesischen Herstellern. Gleichzeitig drängen die KI-Labore in die physische Welt: OpenAI will einen eigenen Humanoiden bauen, Google verkauft Modelle für robotisches Schlussfolgern über die Gemini API, Mistral hat sein erstes Robotikmodell veröffentlicht und Anthropic misst, wie schnell Claude einen Roboter programmieren kann. Dieser Überblick beziffert den Markt und trennt, was heute funktioniert, von dem, was noch ein Versprechen ist.

~25k
humanoide Roboter weltweit im H1 2026 ausgeliefert (IDC, +432 % gegenüber Vorjahr)
97 %
der Auslieferungen im H1 2026 kamen von chinesischen Herstellern (Smart Analytics Global)
43 %
Marktanteil von AGIBOT, das Unitree als Nummer eins überholt hat (Counterpoint)
39 Mrd. $
Bewertung von Figure AI, dem wertvollsten Humanoid-Start-up im Westen

Was „Physical AI" bedeutet

Physical AI ist der Sammelbegriff für KI, die in der realen Welt wahrnimmt und handelt: humanoide und fahrende Roboter, Roboterarme, autonome Fahrzeuge und Drohnen. Neu gegenüber klassischer Industrieautomatisierung ist die Software. Statt jede Bewegung zu programmieren, laufen auf Robotern heute Robotik-Foundation-Modelle, meist Vision-Language-Action-Modelle (VLA), die Kamerabilder und eine Anweisung in natürlicher Sprache in Motorbefehle übersetzen. Trainiert werden sie mit großen Datensätzen ferngesteuerter Demonstrationen und mit Simulation, weshalb „Datenproduktion" zu einem eigenen Geschäft geworden ist (siehe Anwendungsgrafik unten).

Es sind dieselben Bausteine wie bei Sprachmodellen: Transformer, Pre-Training im großen Maßstab, Reasoning-Modelle und GPU-Cluster. Deshalb sehen die KI-Labore Robotik als nächsten Markt, und deshalb kaufen Roboterhersteller Rechenleistung in der Größenordnung von KI-Laboren. Figure hat etwa im September 2026 mit Nscale einen Vertrag über den Zugang zu bis zu 100.000 Nvidia-Vera-Rubin-GPUs für das Training geschlossen. Die Ökonomie dahinter erklärt unser Artikel zur KI-Compute-Infrastruktur.

Auslieferungen: Der Markt hat sich in sechs Monaten verdreifacht

Weltweite Auslieferungen humanoider Roboter: Schätzungen H1 2026 und Prognosen 2026 (Einheiten)

Quellen: Smart Analytics Global (10.08.2026), Counterpoint Research (20.08.2026), IDC (über Robotics & Automation News, 02.10.2026). Die Analysten nutzen unterschiedliche Definitionen und Methoden, daher weichen die Zahlen ab; grau = Vorjahreshalbjahr, bernstein = H1 2026, dunkel = Prognose für das Gesamtjahr.

Eine offizielle Zählung humanoider Roboter gibt es nicht, und die drei Marktbeobachter liegen rund 6.000 Einheiten auseinander. In der Richtung sind sie sich einig. Smart Analytics Global (SAG) zählt rund 19.100 Einheiten im H1 2026, 272 % mehr als die 5.100 ein Jahr zuvor. Counterpoint zählt über 22.000 (+~300 %), IDC fast 25.000 (+432 %). Für das Gesamtjahr erwartet Counterpoint mehr als 50.000 Einheiten und SAG knapp 60.000, bei einem Branchenumsatz von rund 1,6 Milliarden Dollar 2026 und fast 3 Milliarden 2027.

Zur Einordnung: Rund 50.000 Humanoide pro Jahr sind im Vergleich zu Industrierobotern, von denen jedes Jahr mehrere Hunderttausend installiert werden, noch eine Nische. Die Langfristprognosen sind kühn. SAG erwartet bis 2030 jährlich 500.000 Einheiten, IDC mehr als 750.000, Berg Insight 26 Millionen pro Jahr bis 2040. Solche Zahlen setzen sinkende Preise voraus und Roboter, die in echter Arbeit nützlich sind, nicht nur in Demos.

Wer führt: AGIBOT überholt Unitree

Marktanteile humanoider Roboter nach Auslieferungen, H1 2026

Quelle: Counterpoint Research, Global Humanoid Robot Market, H1 2026 (20.08.2026). AGIBOT ~9.700 Einheiten, Unitree >7.000, Galbot >1.100, UBTECH ~1.000, Leju 650. SAG sieht AGIBOT bei 44 % und Unitree bei 31 %.

Die fünf größten Hersteller halten rund 86 % des Marktes, alle fünf aus China. AGIBOT (Shanghai) ist laut SAG um 562 % gegenüber dem Vorjahr gewachsen, hat im September 2026 seinen 20.000. Roboter produziert und begonnen, mehr als 300 Roboter in den Chimelong-Freizeitparks einzusetzen. Unitree (Hangzhou), der bisherige Marktführer, hat im August 2026 seinen Börsengang am Shanghaier STAR Market abgeschlossen und rund 6,1 Milliarden Yuan (904 Millionen Dollar) eingenommen; es ist der erste in Festlandchina börsennotierte Humanoid-Hersteller und hatte bis Juli rund 18.000 zweibeinige Humanoide gebaut. UBTECH hat seine Prognose für den Industrie-Humanoiden Walker S für 2026 von 2.000–3.000 auf 5.000 Einheiten angehoben.

Westliche Unternehmen tauchen in den Auslieferungsdaten kaum auf. Tesla hat keine Produktionszahlen für Optimus veröffentlicht; beim Q2-Call im Juli wurden die ersten Fertigungslinien in Fremont noch installiert, und die Vorstellung von Optimus V3 wurde mehrfach verschoben (die Q3-Zahlen kommen am 21. Oktober). Figure AI und Agility Robotics betreiben Pilotflotten bei Industriekunden. Agility hat im September Digit 5 mit rund 23 kg Traglast und neun Minuten Ladezeit vorgestellt, die allgemeine Verfügbarkeit ist für Ende 2027 geplant.

Wofür Humanoide tatsächlich eingesetzt werden

Auslieferungen humanoider Roboter nach Anwendung, H1 2026

Quelle: Counterpoint Research (20.08.2026). Dunkle Balken: industrielle Anwendungen (Fertigung und Logistik), zusammen rund 18 % der Auslieferungen.

Das ist die wichtigste Grafik für alle, die eine Investition planen. Sechs von zehn im H1 2026 ausgelieferten Humanoiden gingen in Unterhaltung und Auftritte oder in Datenproduktion und Forschung, also zu Shows, Messen, Hochschulen und Laboren, die Trainingsdaten sammeln. Service und Führung (Empfang, Handel, Museen) machen 19 % aus. Nur 12,8 % gingen in die Fertigung und 4,9 % in Lager und Logistik. SAG zählt breiter und sieht industrielle und kommerzielle Anwendungen bei über 70 % der Auslieferungen, nach rund 50 % ein Jahr zuvor; der Trend geht also in Richtung echter Arbeit. Der Fabrik-Humanoid ist aber noch in der Pilotphase.

Ein Humanoid ist nicht die Standardantwort. In Fabrik oder Lager sind Roboterarm, Cobot oder autonomer mobiler Roboter (AMR) für die meisten Aufgaben heute günstiger, schneller und erprobt. Humanoide lohnen sich in Umgebungen, die für Menschen gebaut sind und sich nicht um einen Roboter herum umbauen lassen, und für häufig wechselnde Aufgaben. Die Alternativen beschreiben unsere Leitfäden zu KI in der Fertigung und KI in der Logistik.

Das Finanzierungsrennen

Zuletzt gemeldete Bewertungen von Physical-AI-Unternehmen (Mrd. USD)

Quellen: Unternehmensmitteilungen und Presseberichte. Figure: Post-Money-Bewertung der Series C (Sep. 2025). Skild AI: Series C von rund 1,4 Mrd. $ unter Führung von SoftBank (Jan. 2026). XPENG Robotics: Zeichnung von über 900 Mio. $ bei einer Bewertung über 6,3 Mrd. $ (Aug. 2026), Abschluss nicht bestätigt (grau). Physical Intelligence: Series B über 600 Mio. $ unter Führung von CapitalG (Nov. 2025); Berichte über eine neue Runde über 11 Mrd. $ wurden nicht bestätigt.

Investoren setzen auf zwei unterschiedliche Dinge. Figure AI (39 Mrd. $) baut den ganzen Roboter, Hardware und das eigene Modell Helix; Helix 2.5 hat in einer internen Evaluierung im September ohne zusätzliches Training in 30 unbekannten Wohnungen funktioniert. Skild AI (14 Mrd. $) und Physical Intelligence (5,6 Mrd. $) bauen nur das „Gehirn": Foundation-Modelle, die auf vielen verschiedenen Robotern laufen sollen. Skild hat im August 2026 S1 veröffentlicht, ein Modell, das sich laut Unternehmen ohne Nachtraining auf verschiedene Roboterkörper übertragen lässt. In China kommt das Kapital zunehmend von der Börse, wie Unitrees Börsengang zeigt.

Was die KI-Labore bauen: OpenAI, Google, Anthropic, Mistral, Nvidia

UnternehmenStand in Physical AI (Oktober 2026)
OpenAIRobotikabteilung seit Mai 2026, stellt Fachleute für Bewegungssteuerung, Aktuatoren und Robotik-ML-Infrastruktur ein. Sam Altman bestätigte im September: „Wir werden definitiv einen Humanoiden bauen." Prototyp, Partner oder Termin sind nicht angekündigt. OpenAI arbeitete früher mit Figure zusammen, das die Partnerschaft im Februar 2025 beendete.
Google DeepMindDas am stärksten produktisierte Angebot der Labore. Gemini Robotics-ER 1.6 (April 2026) und Gemini Robotics ER 2, seit 30. Juli 2026 als Public Preview über die Gemini API und Google AI Studio: Embodied-Reasoning-Modelle für räumliches Verständnis und Aufgabenplanung, die Entwickler wie jedes andere Modell aufrufen.
NvidiaLiefert die Plattform: Jetson-Thor-Rechner in den Robotern, Isaac-Simulation und die offenen GR00T-Modelle. GR00T N2, ein „World Action Model", wurde auf der GTC vorgestellt und soll bis Ende 2026 kommen; laut Nvidia löst es neue Aufgaben in neuen Umgebungen mehr als doppelt so oft wie führende VLA-Modelle (Herstellerangabe). Mit Unitree bietet Nvidia einen offenen Referenz-Humanoiden für die Forschung.
Mistral AIErstes Robotikmodell am 8. Juli 2026: Robostral Navigate, 8 Milliarden Parameter, Navigation mit einer Kamera ohne Lidar, hardwareunabhängig, 76,6 % Erfolgsquote im R2R-CE-Benchmark in unbekannten Umgebungen. Folgt auf die Übernahme des österreichischen Unternehmens Emmi AI im Mai. Die interessanteste Option für europäische Industrie, die Modelle auf eigener Infrastruktur betreiben will; siehe unseren Mistral-Überblick.
AnthropicBaut weder Roboter noch Robotikmodelle. In den Project-Fetch-Experimenten misst Anthropic, wie stark Claude das Programmieren von Robotern beschleunigt. In Phase zwei (Juni 2026) war Claude Opus 4.7 allein etwa 20-mal schneller als das beste menschliche Team von 2025, das von Claude Opus 4.1 unterstützt wurde. Der Roboterhund konnte den Wasserball trotzdem nicht apportieren, und Anthropic betont selbst, dass dies kein Durchbruch in der Robotik ist.
ManusKein Robotikprodukt. Manus bleibt bei Software-Agenten, die Browser und Anwendungen bedienen, der „digitalen" Seite derselben Agenten-Idee (siehe Computer Use und agentische Automatisierung).

Das Muster ist klar. Google und Nvidia verkaufen Modelle und Werkzeuge, auf denen Roboterhersteller heute aufbauen können. OpenAI will den ganzen Stack einschließlich Hardware. Mistral zielt mit kleinen, effizienten Modellen auf die europäische Industrienische. Anthropics Beitrag ist indirekt, aber praktisch: Claude wird bereits genutzt, um Robotersoftware, ROS-Integrationen und Testcode zu schreiben, was jedem Robotikteam die Entwicklung verkürzt.

Europa und die Region

Europa wird das Mengenspiel gegen China nicht gewinnen, hat aber starke Akteure in der Industrierobotik und eine wachsende Physical-AI-Szene. NEURA Robotics (Metzingen) hat eine Series C von bis zu 1,4 Milliarden Dollar angekündigt und kauft Unternehmen wie ADLATUS und ACTIVE Shuttle. Agile Robots (München) fertigt den Humanoiden Agile ONE in Serie im Werk Fürstenfeldbruck. Hexagon hat seinen Humanoiden AEON in Schaefflers „Humanoid Gym" gebracht, mit einem geplanten Rollout von mindestens 1.000 Einheiten (eine Zusage, keine installierte Flotte). In der Nachbarschaft Kroatiens hat die slowenische Post, Pošta Slovenije, eine Partnerschaft mit dem Humanoid-Hersteller MagicLab. Und Waymo hat in München mit Tests und Kartierung begonnen.

Für Unternehmen in Deutschland, Österreich und Kroatien heißt das zweierlei. Erstens kommt Physical AI über bestehende Lieferanten und Systemintegratoren, nicht als eigene Kaufentscheidung. Zweitens gelten EU-Regeln: Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 gilt ab Januar 2027 und erfasst ausdrücklich Maschinen mit selbstentwickelndem Verhalten, und KI als Sicherheitsbauteil kann nach dem AI Act hochriskant sein.

Unsere Empfehlung

Ihre SituationEmpfehlung für 2026–2027
Fertigung oder Logistik mit wiederkehrendem MaterialhandlingPrüfen Sie zuerst erprobte Automatisierung (Cobots, AMRs, Bildverarbeitung). Planen Sie einen Humanoid-Piloten nur für Aufgaben in Räumen, die für Menschen gebaut sind, mit einer klaren Kennzahl wie Picks pro Stunde oder Minuten pro Zyklus.
Handel, Gastgewerbe, Messen, MuseenService-Humanoide sind verfügbar und vergleichsweise günstig, aber vor allem Marketing. Budgetieren Sie sie auch so.
Software- und IntegrationsunternehmenDie eigentliche Chance: Roboterflotten brauchen Integration mit ERP, WMS und MES, Monitoring und Datenpipelines. Modelle wie Gemini Robotics ER und Robostral Navigate sind per API oder als offene Modelle verfügbar.
Jedes UnternehmenNutzen Sie, was schon funktioniert: KI-Agenten für Dokumente, Prozesse und Code. Digitale Automatisierung rechnet sich Jahre früher als physische.

Fazit

2026 ist das Jahr, in dem Humanoide vom Prototyp zu den ersten Zehntausenden Einheiten wurden, fast alle in China gebaut und überwiegend außerhalb der Fabrik eingesetzt. Kapital und KI-Labore wetten darauf, dass Robotik-Foundation-Modelle für physische Arbeit leisten, was Sprachmodelle für Text geleistet haben. Ob das bis 2030 gelingt, entscheiden Kosten und Zuverlässigkeit im echten Betrieb, nicht Demos. Für europäische Unternehmen heißt der vernünftige Weg: beobachten, eng pilotieren und jetzt Daten- und Integrationskompetenz aufbauen, während die größeren und schnelleren Gewinne aus digitaler KI-Automatisierung kommen.

Wo lohnt sich KI in Ihrem Betrieb: Software-Agenten oder Roboter?

Wir helfen Unternehmen in Kroatien und der DACH-Region, die Prozesse zu finden, in denen KI messbare Ergebnisse bringt, von der Dokumenten- und Prozessautomatisierung mit Claude bis zur Bewertung von Physical-AI-Piloten mit Ihren Integratoren. Als Claude Certified Architect aus Zagreb beginnen wir mit Ihren Zahlen, nicht mit dem Hype.

Mit einem KI-Berater sprechen

Boris Agatić

Gründer von AI Workshop und Claude Certified Architect. Über 10 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung; begleitet Unternehmen vom ersten Strategiegespräch bis zu produktiven KI-Agenten.

LinkedIn (öffnet in neuem Tab)