Ein weltweites Regelwerk für KI gibt es noch immer nicht. Die Europäische Union setzt 2026 das einzige umfassende, risikobasierte KI-Gesetz durch, hat aber gerade seinen anspruchsvollsten Teil verschoben. Die USA haben kein KI-Bundesgesetz, und doch haben ihre Bundesstaaten 2025 rekordverdächtige 150 KI-Gesetze verabschiedet. Südkoreas AI Basic Act ist seit Januar in Kraft, China verschärft gezielte Vorschriften weiter, und Japan sowie Großbritannien setzen auf Förderung statt Strafen. Dieser Leitfaden vergleicht die sechs wichtigsten Regime mit Daten aus dem Stanford AI Index 2026, erklärt, was sich dieses Jahr am AI Act geändert hat, und zeigt, was das für Unternehmen in Kroatien und der DACH-Region bedeutet, die Claude, ChatGPT oder Mistral einsetzen.
Wer KI-Gesetze erlässt: die Zahlen der G20
2016 hatte kein G20-Land ein KI-bezogenes Gesetz. Bis Ende 2025 hat sich das Bild geändert, allerdings sehr ungleichmäßig. Der Stanford AI Index 2026 zählt verabschiedete nationale Gesetze (keine Entwürfe) auf Basis von Daten des Digital Policy Alert: Die USA führen mit 25, gefolgt von Südkorea mit 17. Frankreich und Japan verabschiedeten je 10, Italien 9, während Russland, Saudi-Arabien, China und Indien eines oder keines erließen.
Quelle: Stanford HAI, AI Index Report 2026, Kapitel 8 (Daten: Digital Policy Alert). Gezählt werden verabschiedete nationale Gesetze; ein Sammelgesetz mit mehreren KI-Bestimmungen zählt einmal. EU-Verordnungen wie der AI Act werden keinem Mitgliedstaat zugerechnet, deshalb wirken Frankreich, Italien und Deutschland (orange) weniger aktiv, als sie sind. China liegt niedrig, weil es KI vor allem über Verwaltungsvorschriften statt Gesetze reguliert.
Die Zahl braucht einen Vorbehalt: Sie misst Gesetze, nicht Regulierungsdruck. China hat nur ein KI-bezogenes Gesetz verabschiedet und betreibt dennoch eines der anspruchsvollsten KI-Regime der Welt, über Vorschriften seiner Internetbehörde. Und in Europa ist das maßgebliche Gesetz EU-weit, es taucht also bei keinem Mitgliedstaat auf.
Europäische Union: der AI Act nach dem Digital-Omnibus
Der AI Act trat im August 2024 in Kraft und gilt stufenweise. Die größte Änderung 2026 ist der Digital-Omnibus zur KI: Rat und Parlament einigten sich am 7. Mai 2026, am 27. Juli 2026 trat er als Verordnung (EU) 2026/1744 in Kraft. Er ersetzte die ursprüngliche Frist für Hochrisiko-Systeme im August 2026 durch feste spätere Termine und ließ alles andere unverändert.
| Datum | Was gilt | Status |
|---|---|---|
| 2. 2. 2025 | Verbote unannehmbarer Praktiken (z. B. Social Scoring, Emotionserkennung am Arbeitsplatz), KI-Kompetenz | In Kraft |
| 2. 8. 2025 | Pflichten für Anbieter von GPAI-Modellen: Dokumentation, Urheberrechtsstrategie, Zusammenfassung der Trainingsdaten | In Kraft |
| 2. 8. 2026 | Transparenz nach Artikel 50 (Chatbot-Hinweis, Deepfake-Kennzeichnung), Kommission kann GPAI-Anbieter mit Bußgeldern belegen | In Kraft |
| 2. 12. 2026 | Maschinenlesbare Kennzeichnung für bereits vermarktete generative Systeme; neues Verbot von KI, die nicht einvernehmliche intime Bilder oder Missbrauchsdarstellungen von Kindern erzeugt | Bevorstehend |
| 2. 12. 2027 | Hochrisiko-Systeme nach Anhang III: Personalauswahl, Bildung, Kreditwürdigkeit, grundlegende Dienste, Strafverfolgung | Verschoben von 8/2026 |
| 2. 8. 2028 | Hochrisiko-KI in regulierten Produkten (Anhang I): Medizinprodukte, Maschinen, Fahrzeuge | Verschoben von 8/2027 |
Der Omnibus hat auch die Pflicht zur KI-Kompetenz abgeschwächt: Anbieter und Betreiber müssen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten nun fördern, statt ein bestimmtes Niveau sicherzustellen. Er gibt dem KI-Büro stärkere Ermittlungsbefugnisse, erlaubt die Verarbeitung sensibler Daten zur Erkennung von Verzerrungen unter einer strengen Erforderlichkeitsprüfung und nimmt KI in Maschinen weitgehend von einer Doppelregulierung aus. Die vollständige Liste der Pflichten finden Sie in unserem Leitfaden zur AI-Act-Compliance und im Artikel über Artikel 50 und die Kennzeichnung von KI-Inhalten.
USA: kein Bundesgesetz, ein Flickenteppich der Bundesstaaten
Washington hat kein umfassendes KI-Gesetz verabschiedet, und die Bundespolitik hat sich Richtung Deregulierung bewegt. Im Januar 2025 hob die neue Regierung die KI-Executive-Order von 2023 auf. Eine Anordnung vom Dezember 2025 richtete eine Taskforce des Justizministeriums ein, die KI-Gesetze der Bundesstaaten anfechten soll, und eine Anordnung vom 2. Juni 2026 schuf einen freiwilligen Rahmen, in dem Entwickler von Frontier-Modellen Bundesbehörden bis zu 30 Tage vor der Veröffentlichung Zugang geben können. Versuche im Kongress, KI-Gesetze der Bundesstaaten auszuhebeln, sind bisher zweimal gescheitert.
Die eigentliche Regulierung findet in den Bundesstaaten statt. Laut AI Index 2026 verabschiedeten ihre Parlamente 2025 150 KI-bezogene Gesetze, 2020 waren es weniger als 10. Allein Kalifornien kommt seit 2016 auf 62, mehr als doppelt so viele wie jeder andere Bundesstaat.
Quelle: Stanford HAI, AI Index Report 2026, Abbildung 8.4.5. Gezählt werden nur verabschiedete Gesetze, deren Text die Wendung „artificial intelligence“ enthält. Allein 2025 verabschiedete Kalifornien 20, Texas 12 und New York 10. Missouri und Rhode Island haben keines erlassen.
- Kaliforniens SB 53 (seit 1. Januar 2026 in Kraft) verpflichtet große Entwickler von Frontier-Modellen, ein Sicherheitsrahmenwerk zu veröffentlichen, kritische Sicherheitsvorfälle zu melden und Whistleblower zu schützen, mit zivilrechtlichen Strafen bis zu 1 Million Dollar pro Verstoß. Anthropic hat das Gesetz im September 2025 öffentlich unterstützt.
- Texas' TRAIGA (seit 1. Januar 2026 in Kraft) verbietet eine enge Liste schädlicher KI-Anwendungen, bindet vor allem Behörden und schafft eine regulatorische Sandbox.
- Colorado sollte das erste breite US-Gesetz zu Hochrisiko-KI bekommen. Nachdem xAI geklagt und ein Bundesgericht die Durchsetzung im April 2026 ausgesetzt hatte, ersetzte der Staat es im Mai 2026 durch ein engeres, auf Hinweispflichten beruhendes Gesetz zu automatisierten Entscheidungen, das ab 1. Januar 2027 gilt.
China, Südkorea, Japan und Großbritannien
China hat kein einheitliches KI-Gesetz, aber einige der konkretesten Pflichten. Öffentliche Dienste für generative KI müssen eine Sicherheitsbewertung bestehen und bei der Cyberspace-Behörde registriert werden, und seit dem 1. September 2025 müssen alle KI-generierten Texte, Bilder, Audio- und Videoinhalte sichtbare und eingebettete Kennzeichnungen tragen. Eine Änderung des Cybersicherheitsgesetzes, die am 1. Januar 2026 in Kraft trat, fügte eine allgemeine KI-Bestimmung hinzu.
Südkorea ist nach der EU das erste Land mit einem umfassenden KI-Rahmengesetz. Der AI Basic Act gilt seit dem 22. Januar 2026. Er definiert „hochwirksame“ KI in Bereichen wie Gesundheit, Energie, Personalauswahl und Kreditvergabe, verlangt Kennzeichnungen für Ergebnisse generativer KI, legt Modellen mit mindestens 1026 FLOP Trainingsrechenleistung zusätzliche Pflichten auf und verpflichtet große ausländische Anbieter, einen Vertreter in Korea zu benennen. Die Strafen sind mild: höchstens 30 Millionen Won (rund 21.000 Dollar), und während einer Übergangsfrist von mindestens einem Jahr verhängt die Regierung keine Bußgelder.
Japan setzt auf Förderung statt Verbote. Das KI-Förderungsgesetz von 2025 schuf ein KI-Strategiehauptquartier unter dem Premierminister, und das Kabinett verabschiedete im Dezember 2025 den ersten KI-Grundplan. Das Gesetz enthält keine Strafen; die Regierung setzt auf Leitlinien und darauf, Unternehmen, die Schaden verursachen, öffentlich zu benennen.
Großbritannien hat noch immer kein KI-Gesetz. Die King's Speech vom 13. Mai 2026 ließ es erneut aus und kündigte stattdessen ein breiteres Regulating for Growth Bill mit Befugnissen für Sandboxes an. Frontier-Modelle testet das AI Security Institute auf freiwilliger Basis, und bestehende Aufsichtsbehörden wenden bestehendes Recht an.
Unsere Einschätzung auf Basis der Rechtstexte und der im Artikel genannten Quellen. „Teilweise“ bedeutet freiwillig, eng gefasst, noch nicht anwendbar oder bislang ohne Bußgelder: z. B. Hochrisiko-Regeln der US-Bundesstaaten (Colorado ab 2027), Chinas Sicherheitsbewertung für öffentliche Dienste, Koreas Übergangsfrist ohne Bußgelder, Japans Rahmengesetz ohne Pflichten für Unternehmen, freiwillige Tests vor der Veröffentlichung in den USA und UK.
Bußgelder: Die EU spielt in einer eigenen Liga
Am deutlichsten werden die Unterschiede bei den Strafen. Das höchste Bußgeld nach dem AI Act für eine verbotene Praxis beträgt 35 Millionen Euro oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Kalifornien begrenzt die Strafen nach SB 53 auf 1 Million Dollar pro Verstoß, und Koreas Obergrenze liegt unter den Kosten eines einzigen Compliance-Audits.
Quellen: AI Act Art. 99 und 101, California SB 53, Texas HB 149, Koreas AI Basic Act Art. 43. Dollar- und Won-Beträge näherungsweise umgerechnet (1 Million USD ≈ 860.000 EUR; 30 Millionen KRW ≈ 18.000 EUR). Für die EU sind die festen Beträge dargestellt; für große Unternehmen ist die umsatzbezogene Obergrenze (7 % bzw. 3 %) höher. Die Skala ist logarithmisch: Jede Linie ist das Zehnfache der vorherigen.
Wo Anthropic, OpenAI, Mistral und Manus stehen
Für Unternehmen, die KI einkaufen statt selbst zu entwickeln, ist die wichtigste Frage, ob ihr Anbieter die Regeln für Modelle bereits erfüllt. Die Europäische Kommission führt Anthropic, OpenAI, Mistral AI, Google, Microsoft, Amazon, IBM und Aleph Alpha als vollständige Unterzeichner des Verhaltenskodex für KI mit allgemeinem Verwendungszweck, des freiwilligen Wegs, die GPAI-Pflichten des AI Act nachzuweisen. xAI hat nur das Kapitel zu Sicherheit unterzeichnet, Meta gar nicht.
- Anthropic hat den EU-Kodex unterzeichnet und Kaliforniens SB 53 unterstützt, mit dem Argument, dass Frontier-Entwickler an ihren veröffentlichten Sicherheitsrahmenwerken gemessen werden sollten.
- OpenAI hat den EU-Kodex ebenfalls unterzeichnet und fällt wie die anderen Frontier-Labore in Kalifornien unter SB 53.
- Mistral AI, der größte europäische Modellentwickler, hat den Kodex vollständig unterzeichnet. Für Unternehmen, die einen Anbieter aus der EU wollen, siehe unseren Artikel über souveräne KI und Datenresidenz.
- Manus ist eine Agentenplattform auf Basis von Modellen anderer Labore und steht nicht auf der Unterzeichnerliste. Wer einen Agenten einsetzt, trägt die Betreiberpflichten des AI Act unabhängig vom Anbieter selbst.
Was Unternehmen in Kroatien und der DACH-Region jetzt tun sollten
- Erstellen Sie ein KI-Inventar und klassifizieren Sie jeden Anwendungsfall. Halten Sie fest, ob er verboten, hochriskant (Anhang III), transparenzpflichtig oder mit minimalem Risiko ist. Personalauswahl, Kredit und Mitarbeiterbewertung sind in KMU die häufigsten Hochrisiko-Fälle.
- Nutzen Sie die zusätzliche Zeit für Hochrisiko-Systeme, statt sie zu verschenken. Planen Sie Risikomanagement, Data Governance, Protokollierung und menschliche Aufsicht so, dass sie vor dem 2. Dezember 2027 stehen.
- Prüfen Sie die heutigen Pflichten. Chatbot-Hinweis und Deepfake-Kennzeichnung gelten bereits, und generative Systeme brauchen bis 2. Dezember 2026 maschinenlesbare Markierungen.
- Klären Sie, wo Ihre Kunden sind. Wenn Sie KI-gestützte Dienste in die USA, nach Korea oder China verkaufen, können deren Regeln für Sie gelten. Korea verlangt ab bestimmten Umsatz- oder Nutzerschwellen einen lokalen Vertreter.
- Bevorzugen Sie Anbieter, die den GPAI-Kodex unterzeichnet haben, und lassen Sie sich deren AI-Act-Dokumentation schriftlich geben. Ein Managementsystem nach ISO/IEC 42001 deckt einen Großteil dessen ab, was Aufsichtsbehörden in allen sechs Rechtsräumen verlangen.
Häufig gestellte Fragen
Welches Land hat 2026 die strengste KI-Regulierung?
Die EU: Der AI Act ist das einzige umfassende risikobasierte KI-Gesetz, mit Bußgeldern bis 35 Millionen Euro oder 7 % des Umsatzes. Südkorea hat ein ähnliches Rahmengesetz mit viel niedrigeren Strafen; China reguliert über gezielte, streng durchgesetzte Vorschriften.
Wurde der EU AI Act verschoben?
Nur die Hochrisiko-Regeln: Anhang III gilt ab 2. Dezember 2027, Anhang I ab 2. August 2028 (Verordnung (EU) 2026/1744). Verbote, GPAI-Regeln und die Transparenz nach Artikel 50 gelten weiter.
Gibt es in den USA ein Bundesgesetz zur KI?
Nein. Die Bundespolitik stützt sich auf Executive Orders (eine führte im Juni 2026 eine freiwillige Prüfung von Frontier-Modellen ein); verbindliche Regeln kommen aus Bundesstaaten wie Kalifornien, Colorado und Texas.
Gilt der AI Act auch für Unternehmen außerhalb der EU?
Ja, wenn das KI-System oder seine Ergebnisse in der EU verwendet werden. Koreas Gesetz hat eine ähnliche Reichweite und verlangt von größeren ausländischen Anbietern einen lokalen Vertreter.
Haben Anthropic, OpenAI und Mistral den EU-Verhaltenskodex für KI mit allgemeinem Verwendungszweck unterzeichnet?
Ja. Anthropic, OpenAI, Mistral AI, Google und Microsoft vollständig; xAI nur das Sicherheitskapitel; Meta hat nicht unterzeichnet.
Unsicher, wo Ihre KI-Anwendungen im AI Act einzuordnen sind?
Wir helfen Unternehmen in Kroatien und der DACH-Region, ein KI-Inventar aufzubauen, Anwendungsfälle nach dem AI Act zu klassifizieren und Dokumentation und Aufsicht so aufzusetzen, dass sie auch in anderen Märkten bestehen. Als Claude Certified Architect aus Zagreb beginnen wir bei Ihren Prozessen, nicht bei Folien.
Mit einem KI-Berater sprechen